Eva Lichtspiele

Blissestraße 18
10713 Berlin
U Blissestrasse oder Bus 101, 104, 249
Tel.: 030 / 922 55 305
Wir zeigen heute,
Donnerstag, den 20.06.2024:


15:30 Eva:
Arrow Golda - Israels eiserne Lady

18:00 Eva:
Arrow Der Schatten des Kommandanten (OmU)

20:30 Eva:
Arrow Golda - Israels eiserne Lady

Eintrittspreise

aktueller denn je !

Golda - Israels eiserne Lady

mit Helen Mirren>

... seit dem Bundesstart am 30. Mai in den Eva-Lichtspielen !
und zwar am Mittwoch (19.+26.6.) um 20:30 Uhr in OmU, am Donnerstag und Freitag (20.+21.6.) um 15:30 Uhr, von Donnerstag bis Samstag (20.-22.6.) um 20:30 Uhr und am Sonntag (23.6.) um 18:00 Uhr !

aktueller denn je! mit Helen Mirren


Der aktuell herrschende Konflikt im Nahen Osten ist unbegreiflich und menschenverachtend. Das Leid der Menschen macht uns sehr betroffen. Wir möchten betonen, dass der Film GOLDA – ISRAELS EISERNE LADY ein Spielfilm ist, der allein die historischen Ereignisse des Jom-Kippur-Krieges von 1973 beleuchtet und lange vor dem gegenwärtigen Krieg entstand. Daher bezieht der Film keinerlei Stellung zu den aktuellen Ereignissen. Vielmehr zeigt er eindringlich, wie die damalige Ministerpräsidentin Golda Meir unter großem politischen Druck komplexe Entscheidungen treffen musste. Wir möchten alle auffordern, sich in den Kommentaren auf einer sachlichen Ebene auszutauschen, die den Community-Richtlinien nicht widersprechen. Vielen Dank. (Verleihhinweis)

Lange vor dem 7. Oktober 2023 begann die Arbeit an "Golda – Israels eiserne lady", was Guy Nattivs biographischen Filme über die legendäre israelische Ministerpräsidenten Golda Meir in eine seltsame Position bringt: Einerseits wirkt der oft hoffnungsvolle Ton, der auf einen friedlichen Ausgleich hofft, inzwischen besonders weltfremd, andererseits wirkt der Versuch, die Komplexität des Nahost Konflikts zu entwirren aktuell besonders notwendig – gerade in Deutschland.

Golda – Isreals eiserne Lady
USA/ GB 2023
Regie: Guy Nattiv
Buch: Nicholas Martin
Darsteller: Helen Mirren, Liev Schreiber, Camille Cottin, Ellie Piercy, Rami Heuberger, Lior Ashkenazi, Rotem Keinan, Dvir Benedek,
Länge: 100 Minuten

FILMKRITIK:

Am 6. Oktober 1973 überfielen ägyptische und syrische Truppen Israel mit dem Ziel Gebiete, die sie im Sechstagekrieg verloren hatten, zurückzuerobern. Der Tag des Angriffes war klug gewählt, denn er fiel auf den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur, an dem Israel und mit ihm seine normalerweise besonders schlagkräftige Armee, deutlich weniger wachsam agierte als sonst. Schnell geriet Israel daher unter Druck, sah sich einer existenziellen Bedrohung gegenüber, auf die die Frau an der Spitze des Staates besonnen reagierte: Golda Meir (Helen Mirren) 1898, in Kiew geborene Politikerin, die seit 1969 als Ministerpräsidentin agierte, als erste Frau in Israel und auch weltweit als eine der ersten Frauen in einer solch herausragenden Position.
Das Meir zu diesem Zeitpunkt wegen Lymphdrüsenkrebs behandelt wurde war ein gut gehütetes Geheimnis, was die burschikose, auf sich selbst und ihr Umwelt keine Rücksicht nehmende Politikerin jedoch nicht davon abhielt, Kette zu rauchen. Egal ob sie mit ihrem Kabinett, angeführt von Verteidigungsminister Moshe Dayan (Rami Heuberger) über die richtige Reaktion diskutiert oder mit dem amerikanischen Außenminister Henry Kissinger (Liev Schreiber) über Form und Ausmaß der Unterstützung der israelischen Schutzmacht verhandelt: Eine Zigarette hat sie stets in der Hand.
Ein verrauchter Hinterzimmer-Film ist "Golda – Israeles eiserne Lady" so geworden, inszeniert vom amerikanisch-israelischen Regisseur Guy Nattiv, der ein Drehbuch von Nicholas Martin verfilmt, ein Autor, der keinerlei Bezug zu Israel hat. Und vielleicht gerade deswegen besonders gut in der Lage ist, die Komplexität der Ereignisse mit nötiger Distanz zu schildern, ohne sich für diese oder jene Seite entscheiden zu müssen.
Dennoch bleibt es zwangsläufigerweise ein Ding der Unmöglichkeit, einen so verfahrenen, verwickelten Konflikt in einem 100 Minuten langen Film in all seiner Komplexität aufzudröseln. Einerseits bleibt "Golda – Israels eiserne Lady" also an der Oberfläche, andererseits gelingt es dennoch, anzudeuten, wie das kleine Land Israel, das seit seiner Gründung von arabischen Rivalen, die oft zu Feinden wurden, umgeben ist, um sein Überleben kämpft, wie es versucht, seine Interessen zu wahren und dabei auch seinen größten und wichtigsten Freund, die USA, immer wieder manipuliert.
Dass der Jom-Kippur-Krieg nach 19 Tagen gewonnen wurde, gilt als einer der größten militärischen Erfolge Israels, war andererseits aber auch die Basis für viele der Probleme, die auch heute noch zu spüren sind. Nicht nur Mosche Dayan wurde durch den Krieg radikalisiert, auch der spätere Ministerpräsident Ariel Sharon, der den Weg zum noch radikaleren, noch weiter Rechts stehendem Benjamin Netanjahu ebnete hat einen kurzen, wenig schmeichelhaften Auftritt.
Doch Kern des Films ist ganz und gar Helen Mirren, die hinter dickem Make Up, grauer, schlichter Garderobe und dem Rauch dutzender Zigaretten kaum zu erkennen ist. Sie gibt Golda Meir burschikosen Charme, zeigt eine Politikerin, die sich ihr ganzen Leben gegen Männer durchsetzte und zu einer der herausragendsten Persönlichkeit ihrer Zeit wurde. Gerade angesichts der Ambivalenz von Meirs und damit Israels Handeln wirkt "Golda – Israels eiserne Lady" wie ein Film zur rechten Zeit, gerade in Deutschland. Wie kompliziert die Geschichte des Nahostkonfliktes nicht erst seit dem 7. Oktober 2023 ist, mindestens das deutet Guy Nattivs Film an.

Michael Meyns, Programmkino.de