Eva Lichtspiele

Blissestraße 18
10713 Berlin
U Blissestrasse oder Bus 101, 104, 249
Tel.: 030 / 922 55 305
Wir zeigen heute,
Freitag, den 19.08.2022:


13:15 Eva:
Arrow Mein Lotta-Leben - Alles Tschaka mit Alpaka

15:30 Eva:
Arrow Minions - Auf der Suche nach dem Mini-Boss

18:00 Eva:
Arrow Mission: Joy Zuversicht und Freude in bewegten .

20:15 Eva:
Arrow Nicht ganz koscher - eine göttliche Komödie

Eintrittspreise

Elvis (DF)

... seit dem 23. Juni zum Bundesstart in den Eva-Lichtspielen ! wieder bis Dienstag (14.7. - 19.7.) täglich um 17:30 Uhr. Und dann wieder von Sonntag bis Dienstag (24.7. - 26.7.) jeweils um 17:45 Uhr, sowie am Mittwoch (27.7.) um 17:45 Uhr nur in OmU !

Wenn die Beatles berühmter waren als Jesus, wo stand dann Elvis? Auch 45 Jahre nach seinem Tod ist der King immer noch eine Legende, der Baz Luhrmann in seinem ausufernden, exzessiven Biopic „Elvis“ ein Denkmal setzt. Bunt, laut, überdreht, .... stets mitreißend ist der Ritt durch Elvis’ Leben, dessen Mimik und Hüftschwung der bisher kaum bekannte Austin Butler so nahe kommt wie möglich.


FILMKRITIK:

Ein normaler biographischer Film über Elvis Presley? Kaum vorstellbar. Insofern kann man sich keinen besseren Regisseur für das Unterfangen, Elvis’ Leben auf die Leinwand zu bringen, als den Exzess-Regisseur Baz Luhrmann, der in jeder Situation lieber zu viel als zu wenig auf die Leinwand wirft. Shakespeares „Romeo+Julia“ verwandelte er in einen grellen Bandenkrieg, machte sich durch „Moulin Rouge“ in Frankreich beliebt, verfilmte mit „Australia“ mehr oder weniger die Geschichte seines Heimatkontinent und wagt sich nun an das Leben einer der oder vielleicht sogar der berühmtesten Personen des 20. Jahrhunderts.

Wie sehr der aus bescheidenen Verhältnissen stammende, ungelernte Elvis Presley die Welt veränderte wurde schon oft beschrieben, ist nach bald 80 Jahren aber nur noch schwer nachvollziehbar. In einer hypersexualisierten Welt, in der explizite Sextapes eine Karriere nicht beenden, sondern sie befördern können, in der es keine Grenzen mehr zu geben scheint, muss es absurd anmuten, wie der Hüftschwung eines jungen Mannes gewirkt haben muss.

Es zählt zu den stärksten Momenten von Luhrmanns „Elvis“, zu visualisieren, welche sexuelle, ja, animalische Wirkung Elvis auf sein Publikum hatte und nicht nur das weibliche. Genau zum richtigen Moment trat dieser junge Mann ins Licht der Öffentlichkeit, als die konservative Welt der Nachkriegszeit bereit war, gesprengt zu werden, als die westlichen Gesellschaften empfänglich für einen Kontakt mit schwarzer Kultur war, die vorher in einem, ja, Ghetto, existierte. Gerade in der ersten Hälfte von „Elvis“ betont Luhrmann immer wieder den Einfluss, den Blues Musiker wie Big Boy Crudup, Little Richard oder B.B. King auf den jungen Elvis hatten oder wie die Teilnahme an einer Gospel-Messe zu einem spirituellen Erweckungserlebnis wurde. Vor allem aber auch, welche Gefahr das weiße Establishment darin sah, dass ein weißer Musiker mit schwarzer Musik Erfolge feierte. Wie sollte man in Zukunft diesen Teil der amerikanischen Kultur unterdrücken? Wie sollte man der Jugend verbieten, nach den Ursprüngen, den Vorbildern der Musik zu suchen, zu der sie tanzten.

Doch bevor er sich darin versteigt, Elvis zum Vorreiter der Bürgerrechtsbewegung zu machen springt Luhrmann einige Jahre in die Zukunft, hakt kurz Elvis’ wenig gelungene Hollywood-Karriere ab, wechselt nach Deutschland, wo er die Offiziers-Tochter Priscilla (Olivia DeJonge) kennenlernt und bald heiratet und kommt zum Las Vegas-Elvis.

In der glitzernden Spielermetropole in der Wüste wird Elvis immer mehr zu einem Jahrmarktspektakel, zur „Greatest Show on Earth“ wie sein Manager Colonel Tom Parker (Tom Hanks) es nennt. In vielen Biographien wird der zwielichtige Parker als Svengali-Gestalt gezeichnet, die den naiven Elvis ausbeutete und letztlich in den Tod trieb. Die Wahrheit dürfte komplizierter sein und so schildert sie auch Luhrmann. (...)

Hommage an einen Musiker, ein Sexidol, eine Ikone ist „Elvis“, ein mitreißender Blick auf eine Ära der Pop- aber auch der Sozialgeschichte Amerikas. Und dann ist da noch der bislang vor allem durch TV-Serien bekannte Austin Butler. Egal ob legendärer Hüftschwung, die pomadierte Tolle oder ein Blick der sich irgendwo zwischen verführerisch und gefährlich bewegt: Butler überzeugt in jedem Moment und kommt dem unbeschreiblichen Mysterium Elvis Presleys so nah wie möglich. Vielleicht kann und sollte man nicht mehr von einer Ode an eine Legende erwarten.

Michael Meyns, programmkino.de