Blissestraße 18
10713 Berlin
U Blissestrasse oder Bus 101, 104, 249
Tel.: 030 / 922 55 305
Eintrittspreise:
-Erwachsene 9,-- €
-Kinder (bis 14 J.) 5,-- €
-ermäßigt 7,-- €
-Kinotag: Dienstag 5,-- €
Wir zeigen heute,
Montag, den 27.01.2020:


15:30 Eva:
Crescendo

18:00 Eva:
Das geheime Leben der Bäume

20:30 Eva:
Vom Gießen des Zitronenbaums

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Bundesplatz-Kino

Impressum

Pavarotti DF

... wieder am Sonntag (2.2.) um 11.00 Uhr in der deutschen Fassung !

Mit seiner einzigartigen Stimme begeisterte Luciano Pavarotti Millionen. Wie kein Zweiter brachte der legendäre italienische Tenor aus Modena den Menschen die Magie der Oper nahe. Regisseur und Oscar-Gewinner Ron Howard setzt dem charismatischen Künstler ein großartiges, filmisches Denkmal, das nicht nur Opernfans begeistern wird. Ganz im Sinne des Maestros, der nicht umsonst den Spitznamen „Tenor des Volkes“ trug, zeigt sein feinfühliges Porträt, dass er die Grenzen der klassischen Musik und Gesangskunst sprengte. Das beweisen nicht zuletzt die mitreißenden Aufnahmen der „drei Tenöre“ und die emotionalen Konzertausschnitte mit Pop-Künstlern wie Bono. Aber auch den großzügigen Menschen hinter dem gefeierten Weltstar macht die einmalige Doku sichtbar.



FILMKRITIK:

„Der Sound wird die Zuschauer umhauen“, verkündet Hollywood-Regisseur Ron Howard vollmundig, „denn er trifft mitten ins Herz“. Und tatsächlich schafft es seine einzigartige Doku mithilfe moderner Technik den unverfälschtem Klang eines Live-Erlebnis zu vermitteln. Gleichzeitig gelingt dem Oscar-Preisträger der Drahtseilakt Pavarotti-Fans und Opernlaien gleichermaßen zu begeistern. War doch für den legendären Künstler aus einfachen Verhältnissen die Oper Volksmusik, weil sie die Schönheit und das Chaos des Lebens spiegelt.

Von klein auf galt die Oper für den Sohn eines Bäckers aus Modena als Populärkultur. Und so weigerte er sich standhaft elitäre Grenzen einzuhalten. Selbst als er für seine „Crossover-Auftritte“ mit Rock- und Popstars, wie Bono oder Stevie Wonder harsche Kritik der Puristen einheimste. Getragen von großen Arien, wie „Nossun dorma“ aus Puccinis „Turandot“, strukturiert Ron Howard den elektrisierenden Film wie eine Oper in drei Akten. Der erste zeigt seinen Aufstieg vom Volksschullehrer zum gefeierten Opernstar. Immer wieder verblüfft dabei die emotionale Tiefe, wenn in ergreifenden Nahaufnahmen der Zuschauer dem charismatischen Tenor beim Singen in die Augen blickt.

Eines der Highlights ist freilich der erste Auftritt der „Drei Tenöre“ in Rom. Und es klingt absolut glaubhaft, wenn José Carrera im Interview versichert, dass zwischen ihnen keine verbissene Konkurrenz herrschte, sondern wirkliche Freundschaft. Doch auch die menschliche Seite des legendären Künstlers kommt in dem intimen Porträt nicht zu kurz. Seine Zerrissenheit zwischen großen Ambitionen und Sehnsucht nach Normalität wird greifbar. Vor allem durch die Interviews mit seiner Familie, seiner ersten, geschiedenen Frau und seinen Töchtern. Die Höhen und Tiefen, die sie mit dem Genie durchlebten, bewegen. Dass der in einem Frauenhaushalt aufgewachsene Tenor ein echter „Womanizer“ war, überrascht nicht.

Und wie so oft, verschloss seine erste Frau, der er zum Teil seinen Aufstiegs verdankte, davor ihre Augen. Dieses Kapitel wird nicht verschwiegen und ist doch so exemplarisch. Ob Marie Callas, die aus der Zeitung erfuhr, dass Onassis gerade Jackie ehelichte, oder die expressionistische Malerin Gabriele Münters, deren Künstlerfreund und Lebensgefährte Wassily Kandinsky in Russland heimlich heiratete, werden Frauen hintergangen. Sicher war es kein leichtes für den unwiderstehlich vitalen Megastar Ruhm, Karriere und Familienleben unter einen Hut zu bekommen. Anhand bislang unveröffentlichter Aufnahmen erlebt der Zuschauer den unvergesslichen, ungemein großzügigen Ausnahmekünstler hautnah.

Ein Großteil stammt von Pavarottis Witwe und zweiter Frau Nicoletta Mantovani. Ihre Privatvideos spiegeln sehr schön die verspielte, humorvolle Seite der schillernder Persönlichkeit des „Königs des hohen Cs“ wieder. Doch Pavarotti, der seine Musik immer wichtiger nahm als sich selbst, war auch für sein soziales Engagement bekannt. Aufgewachsen während des Zweiten Weltkriegs ging ihm das Schicksal der Kinder im Jugoslawienkriegs zu Herzen. Er drängte Bono den eindringlichen Song „Miss Sarajewo“ zu komponieren und mit ihm als Gaststar in Modena aufzutreten. Lebhaft erinnert sich der U2-Star im Interview an diese einzigartige Geschichte.

Und last but not least erklärt sich Pavarottis unbändige, ansteckende Lebensfreude auch aufgrund seiner eigenen Kriegserfahrungen. Nachdem er als Junge tagelang in einem Lazarett im Koma lag, empfand er danach jeden Augenblick als kostbar. Diesen Schlüssel zum Glück versucht seine Musik weiterzugeben. „Genieße, was du tust“, war sein Motto, so seine Witwe Nicoletta Mantoviani. Und so ist die grandiose Doku über das Phänomen Pavarotti wahrhaftig ein leidenschaftlicher Genuss für alle Sinne, wie geschaffen fürs Kino.

(Luitgard Koch, programmkino.de)