Blissestraße 18
10713 Berlin
U Blissestrasse oder Bus 101, 104, 249
Tel.: 030 / 922 55 305
Eintrittspreise:
-Erwachsene 8,-- €
-Kinder (bis 14 J.) 5,-- €
-ermäßigt 7,-- €
-Kinotag: Dienstag 5,-- €
Wir zeigen heute,
Mittwoch, den 18.10.2017:


15:45 Eva:
Der gläserne Turm (1957)

18:00 Eva:
Walk with me (OmU)

20:15 Eva:
Victoria & Abdul

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Bundesplatz-Kino

Impressum

Daniel Hope - Der Klang des Lebens

... ab Donnerstag (19.10. Bundesstart) bis Dienstag (24.10.) täglich um 17:45 Uhr in den Eva-Lichtspielen !

Er ist Musiker mit Sinn und Gefühl für Außergewöhnliches. Der Weltklasse-Geiger Daniel Hope zählt zu den spannendsten Persönlichkeiten des internationalen Musiklebens. Leidenschaftliche künstlerische Neugier, Intensität und Menschlichkeit zeichnen sein Musizieren aus. Dass sich Klassik für jeden lohnt, sein Credo. Mit der einfühlsamen, facettenreichen biographischen Musikdoku über den 43jährigen Ausnahmekünstler liefert Regisseur Nahuel Lopez den besten Beweis dafür. Die Geschichte des umjubelten Stars ist aber auch eine von Flucht und Vertreibung. Nicht umsonst zieht sich das Thema Exil wie ein roter Faden durch den Film.

FILMKRITIK:

„Es gibt zwei Geiger, die ich sofort an ihrem persönlichen Stil erkenne: Yehudi Menuhin und Daniel Hope“, sagt Zakhar Bron, der charismatische, legendäre russische Musikpädagoge. Kein Wunder Hopes „klingende Kinderstube“ war das Londoner Haus des Jahrhundertgeigers Yehudi Menuhin. Denn seine Mutter arbeitete dreißig Jahre als dessen Sekretärin und Managerin. Ihren kleinen Sohn nimmt sie jeden Tag mit. So wächst Daniel Hope mit den Enkelkindern Menuhins als Spielgefährten auf. Er sieht Musiker im Haus ein- und ausgehen, staunt über die bunten Gewänder des Sitar-Großmeisters Ravi Shankar, der im Wohnzimmer auf dem Teppich Platz nimmt, und verliebt sich mit dreieinhalb Jahren in die Violine.

Ohne Geld und Wohnung steht die junge Familie Hope Mitte der siebziger Jahre auf dem teuren Londoner Pflaster. Aus Südafrika geflüchtet, weil Daniels Vater Christopher, Schriftsteller als Apartheidsgegner das Schreiben verboten wird. „Wir wurden überwacht, das Telefon abgehört“, erinnert sich seine Mutter Eleonor vor laufender Kamera. Daniel war damals ein halbes Jahr alt. Und plötzlich, nach einem einzigen Vorstellungstermin der tüchtigen Frau bei Menuhin, waren die Hopes ihre Sorgen wieder los: Der Meister organisierte für sie ein Haus in dem feinen Viertel Highgate und mietet im Sommer ein Extra-Chalet für die Hopes in Gstaad, damit er seine „rechte Hand“ auch bei seinem Musikfestival dort wirklich immer in seiner Nähe weiß. Ein Bild zeigt Hope als kleiner Junge in Gstaad, die Arme angewinkelt und mit einem sichtlich stolzen Lächeln, hinter ihm steht Menuhin, die Hände auf seinen Schultern.

Flucht und Vertreibung ist ein großes Thema in der Familiengeschichte des Ausnahmemusikers. In letzter Minute gelang den Eltern seiner Mutter die Flucht vor dem mörderischen NS-Regime ins Exil nach Südafrika. Die Nazis vertrieben sie aus Deutschland. In Südafrika kam Daniels Mutter zur Welt. Sie war die Tochter einer Frau Valentin aus Berlin-Dahlem und eines Herrn Klein aus Berlin-Schmargendorf. Die Familie besaß eine Villa in Berlin Dahlem. Selbst heute noch ist Daniel Hopes Spurensuche dort unerwünscht, wie der Film beispielhaft dokumentiert. Das prägt sich ein.

In London dagegen öffnet ihm ein zugewandter anglikanischer Priester sofort seine Türen, damit er sein ehemaliges Kinderzimmer besuchen kann und den Garten hinter dem Haus. Die Suche nach dem „Klang“ des Exils führt den quirligen, wissbegierigen Musiker freilich bis nach Hollywood. Nicht umsonst widmete er sein Album „Escape to paradise“ Exilkomponisten wie Kurt Weill, denen die Flucht in die USA vor den Nazis gelang. Und wieder wirft Hope über die Musik ein faszinierenden Blick auf die Geschichte. Im Film besucht er die frühere Villa des emigrierten Schriftstellers Thomas Mann am Westrand von Los Angeles. Dem Haus, in dem Mann „Doktor Faustus“ schrieb, droht zu dem Zeitpunkt noch der Abriss.

Einfühlsam zeigt die sehenswerte Doku wie der Wunsch, Dingen auf den Grund zu gehen, ob es die Familiengeschichte ist oder Mendelssohns Violinkonzert, den Charakter des virtuosen Geigers prägt. Dass der weltoffene Solist schlussendlich das Grabmal seines Urgroßvaters, des Fabrikbesitzers Julius Valentin auf dem Luisenfriedhof in Berlin doch noch retten kann, bevor es erlischt und verkauft wird, wirkt besonders anrührend. Zur feierlichen Übergabe spielt er Ravels „Kaddisch“, das jüdische Gebet für die Verstorbenen, eine melancholisch, ergreifende Schicksalsmelodie. Eine Erinnerungsstätte, die sicher nicht die tiefen Wunden und Schmerzen heilen kann, doch zumindest für einen positiven Ausklang sorgt.

Dramaturgisch eingängig aufeinander aufgebaut fasziniert die exzellente Montage des Bild- und Tonmaterials. Genial verschränken Schnittfolgen die spannende Collage aus Konzertausschnitten, Orchesterproben mit dem Züricher Kammerorchester und Momentaufnahmen seiner Familie. Regisseur Nahuel Lopez (El Viaje - Ein Musikfilm mit Rodrigo Gonzalez), Sohn eines exilierten Chilenen, versteht es mit seiner lebendigen, facettenreichen biographischen Musikdoku über den angesehensten Violinisten der Moderne zu begeistern. Dabei muss der Zuschauer nicht unbedingt ein Klassik-Kenner sein. Der Schritt auf dem Weg die klassische Musik aus dem Elitären heraus in den Alltag der Menschen zu holen gelingt.

Luitgard Koch, programmkino.de
 Offizielle Filmwebseite

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