Eva Lichtspiele

Blissestraße 18
10713 Berlin
U Blissestrasse oder Bus 101, 104, 249
Tel.: 030 / 922 55 305
Wir zeigen heute,
Freitag, den 03.02.2023:


13:15 Eva:
Arrow Der Gestiefelte Kater: Der letzte Wunsch

15:30 Eva:
Arrow Was man von hier aus sehen kann

18:00 Eva:
Arrow Maria träumt

20:30 Eva:
Arrow Was man von hier aus sehen kann

Eintrittspreise

Was man von hier aus sehen kann

... Endlich im Eva und zwar:
am Dienstag (31.1.) um 15:30 Uhr, sowie am Montag (30.1.) um 18:00 Uhr und dann wieder Donnerstag bis Samstag (2.-4.2.) jeweils um 15:30 Uhr und von Sonntag bis Dienstag (5.-7.2.) jeweils um 18:00 Uhr und am Donnerstag und Freitag (2.+3.2.) je um 10:30 Uhr in den Eva-Lichtspielen!


Mariana Lekys Roman „Was man von hier aus sehen kann“ entwickelte sich zum Beststeller. Ein Roman, der außerhalb aller Normen seine Geschichte erzählt. Etwas, das auch Aron Lehmann mit seiner Verfilmung geschafft hat, wenn er von einem Dorf und seinen skurrilen Einwohnern erzählt, die in einer nicht näher bestimmten Zeit leben, und noch immer glauben, dass die Träume einer Frau Unheil bringen können. Aber das ist nur ein Element dieses herrlich verschrobenen Films.

Deutschland 2022
Regie: Aron Lehmann
Buch: Aron Lehmann
Darsteller: Karl Markovics, Luna Wedler, Corinna Harfouch
Länge: 103 Minuten


FILMKRITIK:

Luise (Luna Wedler) lebt bei ihrer Großmutter Selma (Corinna Harfouch) in einem Dorf im Westerwald. Die Großmutter hat eine besondere Gabe – oder auch einen Fluch. Wenn sie von einem Okapi träumt, stirbt am nächsten Tag jemand im Dorf. Das hat sich bereits mehrmals so erwiesen, und wird es wieder tun – mit einem Schicksalsschlag, von dem sich Luise lang nicht mehr erholt. Da stets unklar ist, wen es trifft, wenn Selma einen Okapi-Traum hat, ist das ganze Dorf in Aufruhr und trifft letzte Vorbereitungen. Nur für den Fall.

Aron Lehmann hat einen faszinierenden Film abgeliefert. Die Geschichte spielt wohl vor einigen Jahrzehnten. Oder auch nicht, vielleicht ist das Dorf ja nur in der Zeit stehen geblieben, so ganz ohne Handys und mit uralten Röhrenfernsehern. Überhaupt ist es ein fast schon märchenhaftes Dorf. Nicht unbedingt im positiven Sinne, wohl aber in dem, dass hier sehr ungewöhnliche Menschen leben. Der Optiker etwa, der unsterblich in Selma verliebt ist, es ihr aber nie sagt und die ganze Geschichte über keinen Namen hat. Oder die traurige Marlies, die nicht traurig, sondern einfach nur schlecht drauf ist. Oder Palm, der seine Traurigkeit hinter Wut versteckt.

Jede Figur in dieser Geschichte ist ungewöhnlich. Einzigartig, aber auch in höchstem Maße skurril. Der Vater, der die Tochter verlässt, weil er die Welt bereisen will. Der Junge, der ein Mädchen immer wieder hochheben will. Der italienische Eisverkäufer, der eigentlich Grieche ist. Und dazu Läden, die immer nach der Funktion benannt sind. So arbeitet Luise im Buchladen.

Luise hat einen Hund namens Alaska (der älter ist, als er sein dürfte), sie wirkt ein wenig verloren, und immer, wenn sie etwas anderes sagt, als sie denkt, fällt ihr der Himmel auf den Kopf. Buchstäblich. Dann geht irgendetwas zu Bruch. Der Film spielt mit diesem Bruch der Realität. Er siedelt seine Geschichte in einer Fabelwelt an, in der das Non-Realistische das neue Normal ist, und in der auch niemand in Frage stellt, wenn ein Haus zusammenfällt, weil eine junge Frau nicht die Wahrheit spricht.

Die Adaption des Romans ist ausgesprochen gelungen. Ein Film, wie man ihn aus deutschen Landen selten sieht, mit einem Gespür für das Schräge, das Absurde, das völlig Entrückte, aber eben auch mit viel Gefühl. „Was man von hier aus sehen kann“ ist ein Film, der in eine Provinz entführt, wie sie wahrhaftiger und wie sie zugleich irrealer nicht sein könnte. Ob das jedem gefällt, sei dahingestellt, wer Geschichten mit hoher Skurrilität schätzt, ist hier jedoch bestens aufgehoben.

Peter Osteried, programmkino.de