Eva Lichtspiele

Blissestraße 18
10713 Berlin
U Blissestrasse oder Bus 101, 104, 249
Tel.: 030 / 922 55 305
Wir zeigen heute,
Freitag, den 19.08.2022:


13:15 Eva:
Arrow Mein Lotta-Leben - Alles Tschaka mit Alpaka

15:30 Eva:
Arrow Minions - Auf der Suche nach dem Mini-Boss

18:00 Eva:
Arrow Mission: Joy Zuversicht und Freude in bewegten .

20:15 Eva:
Arrow Nicht ganz koscher - eine göttliche Komödie

Eintrittspreise

Der perfekte Chef

... zum Bundesstart ab 28.7. von Donnerstag bis Mittwoch (28.7. - 3.8.22) jeweils um 20:15 Uhr in den Eva-Lichtspielen, sowie von donnerstag bis Samstag (4. - 6.8.) jeweils um 15:15 Uhr, am Sonntag (7.8.) um 17:45 Uhr und von Montag bis Mittwoch (8. - 10.8.) jeweils um 20:15 Uhr !

Javier Bardem ist absolut in Bestform: als Unternehmenschef, der vor nichts zurückschreckt: wunderbar böse und trotzdem sehr charmant.
Nach “Montags in der Sonne” (2002) nun noch einmal eine gelungene Komödie über die moderne Arbeitswelt von Fernando León de Aranoa, wieder mit Javier Bardem. Aber diesmal steht er auf der anderen Seite – nicht mehr als arbeitsloser Werftarbeiter und Globalisierungsopfer, sondern als autoritärer Boss eines Familienunternehmens.


FILMKRITIK:

Mitten in der spanischen Provinz, in der Nähe einer Kleinstadt, befindet sich die Firma “Básculas Blanco” – Blanco Waagen. Das Firmenmotto steht in riesigen Lettern, wenn auch leicht verblasst, an der Wand der Produktionshalle: „Esfuerzo – Equilibro – Fidelidad“, frei übersetzt: „Fleiß – Ausgewogenheit – Zuverlässigkeit“. Hier bereitet Julio Blanco seine Angestellten auf die kommenden Herausforderungen vor: Demnächst wird nämlich unangemeldet eine Jury erscheinen, um das Unternehmen ganz genau in Augenschein zu nehmen. Tatsächlich könnte Blanco in diesem Jahr endlich den begehrten Preis der Regierung für exzellente Unternehmensführung erhalten und ist schon bis in die Runde der letzten Drei gekommen. Blanco ist wild entschlossen, diesmal das Rennen zu machen, er schwört die Belegschaft ein, fordert sie heraus und plädiert an ihren Zusammenhalt, der noch nie so wichtig war wie jetzt, aber auch noch nie so gefährdet. Noch während seiner Rede zeigen sich erste Schwierigkeiten. Ein gekündigter Angestellter will die Entlassung nicht hinnehmen und sorgt für Aufruhr. Aber das ist nur der Anfang, denn während Blanco darauf wartet, dass die Jury auftaucht, prasseln die Krisen und Probleme nur so auf ihn ein. Nicht nur der Sieg im Wettbewerb scheint bedroht, sondern alles, was Blanco in den letzten Jahren aufgebaut hat. Sein Lebensinhalt, seine Fabrik.

In diesem Reich, das er von seinem Vater übernommen hat, ist Julio Blanco der unumstößliche Herrscher; ein jovialer Autokrat, der sich selbst um alles kümmert, auch um die Probleme seiner Angestellten, die er sehr gern als Teil einer großen, glücklichen Familie betrachtet, zumindest nach außen hin und solange alles funktioniert. Doch erst in der Krise zeigt sich der wahre Charakter, so heißt es.

Die furiose Dramödie mit ihren vielen kleinen, fiesen Nebengeschichten ist nicht nur absolut sehenswert, sondern sie gehört Javier Bardem. Er füllt den Film mit seiner alles überstrahlenden Präsenz und ist einfach zum Niederknien gut. Sein Julio Blanco ist ein Monster, aber eines von der Sorte, das man gernhat, weil es gar nicht anders geht. Zusätzlich gibt er ihm einen Hauch von Tragik, die sich immer mehr steigert und ihn noch liebenswerter macht. Mit seinem charmanten Haifischgrinsen und seiner unwiderstehlichen Ausstrahlung verkörpert Xavier Bardem absolut perfekt den Old-School-Patriarchen, der angesichts der drohenden Katastrophe über sich hinauswächst und zu praktisch allem bereit ist, außer zum Scheitern. Weder eine verliebte Praktikantin, wunderbar doppelbödig gespielt von Almudena Amor, noch der durchgeknallte Ex-Angestellte (Oscar de la Fuente) oder ein Produktionsleiter mit Eheproblemen können ihn aufhalten, und schon gar nicht die kleine Waage mit dem großen Symbolgehalt hinter dem Fabriktor, die sich partout nicht ins Gleichgewicht bringen lassen will. Blancos Entschlossenheit macht vor nichts und niemandem halt. Er spannt jeden vor seinen Karren, seine Ehefrau (diskret und klug: Sonia Almarcha) genau wie das alte Faktotum Fortuna, und was nicht passt, wird passend gemacht. Koste es, was es wolle. Grandios!

Gaby Sikorski, programmkino.de