Blissestraße 18
10713 Berlin
U Blissestrasse oder Bus 101, 104, 249
Tel.: 030 / 922 55 305
Eintrittspreise:
-Erwachsene 9,-- €
-Kinder (bis 14 J.) 5,-- €
-ermäßigt 7,-- €
-Kinotag: Dienstag 5,-- €
Wir zeigen heute,
Dienstag, den 18.02.2020:


15:30 Eva:
Crescendo

18:00 Eva:
Das geheime Leben der Bäume

20:15 Eva:
Bombshell DF

Durch Anklicken der Filmtitel erhalten Sie detaillierte Beschreibungen zu den Filmen


Bundesplatz-Kino

Impressum
Soeben ausgezeichnet mit dem Oscar 2020 in der Kategorie "Bestes Make-Up/Beste Frisuren"

Bombshell DF

"Das Ende des Schweigens"

... bis einschließlich Mittwoch, den 19.2. täglich um 20:15 Uhr sowie Donnerstag (20.2.) um 16:00 Uhr, Freitag/Samstag (21./22.2.) um 15:30 Uhr, Sonntag (23.2.) um 18:00 Uhr und Montag/Dienstag (24./25.2.) um 15:30 Uhr in den Eva-Lichtspielen ! Mittwoch, den 19.2. in der OmU !

Gerade erst hat der Prozess gegen den Filmproduzenten Harvey Weinstein in New York begonnen, da kommt ein Film in unsere Kinos, der den Ausgang eines solchen Falles aus dem Jahre 2016 schildert. Damals war es der erzkonservative Fernsehsender FOX und sein übermächtiger CEO Roger Ailes, dem man sexuelle Belästigung in etlichen Fällen nachweisen konnte. Das war nicht nur die Geburtsstunde der #MeToo-Bewegung, sondern auch ein später Triumph unzähliger Frauen, für die sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz beruflicher Alltag ist.


FILMKRITIK:

Roger Ailes war einer der mächtigsten Fernseh-Chefs in den Vereinigten Staaten, und er war der erste, der gut aussehende Nachrichtensprecherinnen einstellte. Blond mussten sie sein, lange Beine haben und kurze Röcke tragen. Nicht umsonst waren die Schreibtische im Studio durchsichtig.

Dass journalistische Fähigkeiten nicht so wichtig sind, merkt auch Kayla Pospisil (Margot Robbie). Die junge gut aussehende und extrem ehrgeizige Jungredakteurin kriegt schnell raus, wie der Hase läuft, stellt sich gut mit Ailes’ Sekretärin und erhält so ziemlich schnell einen Termin beim Chef. Dass dieser aber zu einem Casting ausartet, hätte sie nicht gedacht. Sie muss Bein zeigen, viel Bein, bis es es ihr unangenehm wird. Es ist ein visuelles Medium, sagt Ailes und er könne sie ganz nach oben bringen, doch sie müsse einen Weg finden, ihm ihre Loyalität zu beweisen. Völlig verwirrt kehrt Kayla zurück in die Redaktion, sie steht ganz kurz vor dem Sprung vor die Kamera, kein Wunder, hat Ailes doch gerade ihre Kollegin Gretchen Carlson (Nicole Kidman) gefeuert. Jahrelang war die ehemalige „Miss America“ das hübsche Gesicht der Morningshow, bis ihr der Kragen platzt. Gretchen will sich nicht länger als blondes Deko-Püppchen hergeben und hat die Chauvi-Sprüche ihres Chefs satt. Als die beliebte Moderatorin ohne Make-up auf Sendung geht, um ein Zeichen gegen Oberflächlichkeit zu setzen, rastet Ailes aus und schickt ihr die Kündigung, offiziell wegen enttäuschender Einschaltquoten.

Die ehemalige Anwältin Megyn Kelly (Charlize Theron) ist die „First Lady“ von Fox News und darf sogar die Wahldebatte moderieren. Hier trifft sie auf den republikanischen Kandidaten Donald Trump, den sie vor laufenden Kameras mit seinen sexistischen Äußerungen konfrontiert. Damit löst sie einen öffentlichen Kleinkrieg aus, den Trump auf Twitter weiterführt und dabei weit unter die Gürtellinie zielt. Rückendeckung bei ihrem Sender sucht Megyn vergebens, schließlich ist Ailes ein guter Freund von Trump und die ganze Angelegenheit bringt ihm Top-Quoten. Er empfiehlt Megyn, sich klein zu machen und das Feld zu räumen, am besten nehme sie erst einmal Urlaub.

Inzwischen flattert Ailes eine Klage von Gretchen ins Haus, wegen sexueller Belästigung. Doch um den Prozess zu gewinnen, muss sie ein Muster nachweisen, Frauen finden, die Ähnliches erlebt haben. Dass es die gibt, da ist sich Gretchen sicher, nur wie kann man sie zum Reden bringen? Anfangs stößt sie bei ihren Kolleginnen auf betretenes Schweigen, den meisten ist es peinlich über das Erlebte zu sprechen, aber alle plagt das schlechte Gewissen, nie aufbegehrt zu haben. So ist es nur eine Frage der Zeit, bis weitere Zeugenaussagen bei Gretchens Anwälten eintrudeln und Ailes der Prozess gemacht wird.

Regisseur Jay Roach arbeitete schon in TRUMBO ein dunkles Kapitel der Hollywood-Geschichte auf. In BOMBSHELL zeigt er nun den Fall eines der mächtigsten TV-Mogule Amerikas und entlarvt dabei ein männliches Machtsystem, wie es perfider kaum sein kann. Mit Charlize Theron, Nicole Kidman und Margot Robbie treten drei Superstars an, um diesem System den Kampf anzusagen, und der phänomenale Sieg vor Gericht kann als Geburtsstunde der MeToo-Bewegung gesehen werden. Es kann also gar nicht mehr so lange dauern, bis der Fall Harvey Weinstein verfilmt wird.

(Kalle Somnitz, programmkino.de)