Blissestraße 18
10713 Berlin
U Blissestrasse oder Bus 101, 104, 249
Tel.: 030 / 922 55 305
Eintrittspreise:
-Erwachsene 9,-- €
-Kinder (bis 14 J.) 5,-- €
-ermäßigt 7,-- €
-Kinotag: Dienstag 5,-- €
Wir zeigen heute,
Sonntag, den 25.02.2018:


11:00 Eva:
Loving Vincent (DF)

13:00 Eva:
Paddington 2

15:00 Eva:
Das Leuchten der Erinnerung

17:30 Eva:
Die dunkelste Stunde

20:15 Eva:
Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Durch Anklicken der Filmtitel erhalten Sie detaillierte Beschreibungen zu den Filmen


Bundesplatz-Kino

Impressum
Mit Helen Mirren und Donald Sutherland

Das Leuchten der Erinnerung

... von Freitag, dem 23.02. bis Sonntag, den 25.02. täglich um 15:00 Uhr in den Eva-Lichtspielen !

Das klassische Roadmovie widmet sich meist jugendlicher Sehnsucht nach Freiheit, Identität und selbstbestimmten Leben. Der italienische Regisseur Paolo Virzi dagegen schickt ein altes Ehepaar auf die letzte Reise. Die beiden rebellieren mit ihrem Ausbruchsversuch gegen Bevormundung und Pflegeheim. Ihr Ziel: Das Abenteuer Leben. Seine beiden Hauptdarsteller Helen Mirren, als patente Ehefrau und Donald Sutherland, als demenzkranker Literaturprofessor, erweisen sich dabei als Glücksgriff. Die Schauspiellegenden meistern diesen Trip mit Bravour. Vor allem die Britin überzeugt mit unnachahmlicher Schlagfertigkeit und emotionaler Tiefe.

FILMKRITIK:

Ella Spencer (Helen Mirren) macht sich nichts vor. Die Ärzte haben bei ihr einen Tumor entdeckt. Doch die energische Achtzigjährige gibt nicht auf. Noch ein letztes Mal möchte sie mit ihrem Mann John (Donald Sutherland) dem tristen Alltag entkommen und dem Alter ein Schnippchen schlagen. Vor allem, da John, ein ehemaliger Literaturprofessor, mehr und mehr sein Gedächtnis verliert. Inständig hofft sie, dass ihn eine Reise nach Key West zum Geburtshaus von Hemingway, seines Lieblingsautors, wieder etwas in die Realität zurückbringt.

Heimlich packt sie das klapprige Wohnmobil aus alten Tagen. Ihre erwachsenen Kinder Will (Christian McKay) und Jane (Janel Moloney) dürfen nichts davon wissen. Sie wären entsetzt. Auf dem Highway erklingen aus dem Autoradio die Melodien der 1970er Jahre und wenn die beiden aus vollem Hals „Me and Bobby Mc Ghee“ anstimmen, scheint ihr Ausbruchsversuch gelungen. Doch immer wieder muss Ella erleben, wie weit sich John, trotz aller Liebe, von ihr entfernt hat.

„Was machst du denn auf dem Motorrad“, schreit der Familienvater wütend aus dem Auto als er Ella neben sich vorbeifahren sieht. Verwirrt stoppt er den Wohnwagen am Straßenrand, um seine Frau wieder einsteigen zu lassen. Doch der war bei ihrem Trip auf dem Bike nicht nach Fahrtwind, Abenteuer und Freiheit. Sie musste ihn einholen. Denn an der letzten Tankstelle brauste er einfach ohne sie davon. Trotzdem versucht Ella immer wieder an ihre gemeinsame Liebe anzuknüpfen. Hin- und hergerissen zwischen hilfloser Wut und Verzweiflung.

Als ihr charmanter Professor sich zwar an seine junge Literaturstudentin von einst erinnert, nicht aber an den Namen ihrer gemeinsamen Kinder, kann sie es trotzdem kaum fassen. Dass er sie eines Nachts mit ihrer Freundin und gemeinsamen Nachbarin Lillian (Dana Ivey) verwechselt, erstaunt sie zunächst nur. Als sie ihm dabei jedoch ein Geheimnis entlockt, verliert sie zunächst die Lust an der gemeinsamen Rebellion gegen alle gesellschaftlichen Konventionen. Frustriert über den Verrat verliert sie die Beherrschung. Dass ihre gemeinsame Reise reich an Erinnerungen sein würde, hoffte sie. Doch darauf war sie nicht gefasst.

Die beiden Schauspiellegenden Helen Mirren und Donald Sutherland erweisen sich bei diesem Roadmovie der besonderen Art als absoluter Glücksgriff. Ihr Ehepaar meistert den Trip in absoluter Würde. Humorvoll, schmerzhaft, ergreifend, tragisch und berührend zeigen sie, dass Alter nichts für Feiglinge ist. Dass die gesellschaftlichen Verhältnisse ihnen scheinbar keinen anderen Ausweg aufzeigen, sollte nachdenklich stimmen. Mit unnachahmlicher Schlagfertigkeit und emotionaler Tiefe überzeugt vor allem die brillante britische Oscarpreisträgerin bei diesem bittersüßen Drama.

Bereits mit seinem großartigen Psychatrie-Film „Die Überglücklichen“ widmet sich der italienische Regisseur Paolo Virzi voller Klarheit denjenigen, die sich gegen den Verlust ihrer Autonomie aufbäumen. Damals schickte er sein Frauenduo auf tragikomische Eskapaden durch die Toskana. Nun verlagert der 53jährige seine Fluchtfantasie ins Land der scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten. Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Michael Zadoorian wagt er sich an seinen ersten englischsprachigen Film. Stimmig fängt sein versierter Kameramann Luca Bigazzi dabei Bilder ein, ohne touristische Klischees zu präsentieren. Dass natürlich der Palmenstrand in Key West einfach himmlisch ist, daran lässt sich freilich nichts ändern. Sich hier auf seine eigene Art von der Welt zu verabschieden ist sicher nicht die schlechteste Idee.

(Luitgard Koch, programmkino.de)


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