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18 Fragmente über Revolution

Der nackte König (OmU)

Bruno Ganz als Erzähler noch einmal erleben!!>



Ein spannender Filmessay von Andreas Hoessli über Menschen und ihre Sehnsucht nach Veränderung!

Die Welt ist in Aufruhr! Überall protestieren Menschen für demokratische Freiheit und Menschenrechte – wie aber wird ein Protest zur allesumwälzenden Revolution? In seinem spannenden Filmessay spürt Regisseur Andreas Hoessli genau dieser Frage nach. Er reist ins Herz der Islamischen Revolution 1979 im Iran und der Solidarno??-Bewegung 1980 in Polen. Was geschah in den Köpfen der jungen Frauen und Männer, die sich damals an den Revolutionen beteiligten? Bruno Ganz führt als Erzähler durch den Film.

In dem Essayfilm von Andreas Hoessli geht es um die fast zeitgleichen Revolutionen im Iran und in Polen um 1980. Dabei werden Originalaufnahmen mit Reflexionen – Erzähler: Bruno Ganz – und mit Interviews und Erinnerungen von Zeitzeugen verknüpft, die als Grundlage für eine rückschauende Betrachtung vergangener Ereignisse dienen und vor allem revolutionäre Positionen beleuchten. Die verschiedenen Ebenen der Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Problemstellungen machen den Film anspruchsvoll und liefern eher Denkansätze.

Ab 11.02.2021 zum 42. Jahrestag der Islamischen Revolution aufgrund der Corona-bedingten Kinoschließungen hier im W-film Online-Kino.

Für den Stream auf Ausleihen klicken und vorab, falls notwendig, kurz bei Vimeo registrieren. Unterstützen Sie unseren Filmverleih, indem Sie den Film hier im Shop erwerben.
Die teilnehmenden Kinos werden an den Erlösen beteiligt. Insofern wäre es schön, wenn Sie den Film für unser Eva schauen würden.
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FILMKRITIK:
In langen Fahraufnahmen durch das nächtliche Warschau, untermalt von jazzigen Saxophonklängen und von der wunderbar rauen, melancholischen Stimme des leider mittlerweile verstorbenen Bruno Ganz, der Texte von Kapu?ci?ski spricht, entfaltet sich die Vorgeschichte der polnischen Revolution. Alte Schwarzweiß-Originalaufnahmen zeigen die Danziger Lenin-Werft, die zum Ausgangspunkt der seinerzeit illegalen Streiks wurde. In diesen Bildern spielt Lech Wa??sa, der Mitgründer der Solidarno?? und spätere Staatspräsiden.

Im Vordergrund stehen einige von Wa??sas ehemaligen Weggefährten sowie alte Feinde in Gestalt von Ex-Geheimdienstlern, die über ihre Vergangenheit sprechen. Interessant ist die Geschichte, wie Andreas Hoessli selbst als Figurant, also als Spitzel, angeworben werden sollte. Die Geschichte der polnischen Arbeiteraufstände wird hier noch einmal lebendig. Der ehemalige Solidarno??-Kämpfer Józef Pinior erzählt von seinem Leben als Revolutionär, das ihn bis heute prägt.

Die Verbindung zum Iran wird über Hoesslis Bekanntschaft zu Ryszard Kapu?ci?ski hergestellt, den heute nicht mehr ganz unumstrittenen, hochdekorierten Journalisten und Schriftsteller, dessen Bekanntschaft er in Polen machte. Kapu?ci?ski arbeitete damals an einem Buch über die Revolution im Iran: "Schah-in-schah: Eine Reportage über die Mechanismen der Macht und des Fundamentalismus" – bis heute ein gefragtes Werk über den Sturz des Schahs und die Geburt der islamistischen Revolution. Diese Zusammenhänge erschließen sich nach und nach.

Daneben stehen Bilder aus dem Iran: Pracht und Prunk am Hof des Schahs, Armut und Gewalt in den Straßen Teherans, dann die Erhebung der Massen, der Furor des Volkes. Im Gedächtnis haften bleibt das Interview mit Masoumeh Ebtekar, die als Studentin die amerikanische Botschaft in Teheran mit besetzt hielt und zur Sprecherin der Geiselnehmer wurde. Sie spricht über die Vergangenheit und gibt ohne Weiteres zu, dass sie für die Revolution getötet hätte. Doch daraus ergibt sich eine neue Frage: Könnte sie heute als Revolutionärin ihre früheren Taten kritisieren und dennoch sich selbst und den Werten gegenüber treu bleiben, für die sie gekämpft hat?

„Der Mensch schüttelt die Angst ab und fühlt sich frei. Das ist eine Voraussetzung für die Revolution“, heißt es im Film. Nach 40 Jahren sind die Bilder in der Erinnerung der Revolutionäre noch immer lebendig. Sterben und Töten für die Revolution – wie viel Wut, Mut und Empörung, Rachsucht, Willen und Trotz sind notwendig, damit Menschen sich auflehnen und Widerstand leisten? Wie entsteht eine Konterrevolution? Wie werden Revolutionäre zu Feinden der Revolution? Andreas Hoessli sammelt Stimmen und Biographien. Er fügt sie nicht zusammen, sondern lässt sie für sich stehen und schafft damit einen Film, der mehr Fragen stellt als beantwortet.

Gaby Sikorski, programmkino.de



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