Eva Lichtspiele

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Die Stimme des Regenwaldes

... noch am Dienstag + Mittwoch (27. + 28.10.) um 20:00 Uhr, dann noch einmal am Freitag, 30.10. um 15.15 Uhr in den Eva-Lichtspielen !



Fast eine Art moderner Wilhelm Tell ist Bruno Manser, ein Aussteiger, der 1984 in den Dschungel des malayischen Teil der Insel Borneo reiste. Der Schweizer war auf der Suche nach einer Erfahrung, die tiefer geht als die Oberflächlichkeit der modernen Welt. Er findet diese bei dem nomadischen Penan-Stamm. Es ist eine Begegnung, die sein Leben für immer verändert. Schon lange war es sein Traum, ein Leben abseits der Industrialisierung und des Konsums zu führen. Als die Existenz der Penan durch unerbittliche Abholzung bedroht ist, nimmt Manser den Kampf gegen die Abholzung mit Mut und Entschlossenheit auf. Sein Einsatz macht ihn zu einem der renommiertesten und glaubwürdigsten Umweltschützer seiner Zeit. Letztendlich kostet ihn das sein Leben. In „Die Stimme des Regenwaldes“ erzählt Niklaus Hilber diese Geschichte nach.


FILMKRITIK:

Er war auf der Suche nach Authentizität, nach einem Leben, das nicht von Bedürfnissen der kapitalistischen Konsumkultur geprägt war, sondern vom Sein in und mit der Natur: Der Schweizer Bruno Manser (Sven Schelker), der einen ganz gewöhnlichen Lebenslauf hatte, Abitur machte, diverse Berufe ausprobierte, als Schafhirte und Schreiner arbeitete, bis er mit Ende 20 genug hatte. 1984 reiste er nach Asien und fand auf Borneo, eine der größten Inseln Malaysias, sein Paradies. Dort leben die Penans, ein Eingeborenenstamm, der fast abgeschnitten von der Zivilisation auf eine Weise überlebt, die sich im Lauf der Jahrhunderte wohl kaum verändert hatte.
Schnell wurde Manser in die Stammeskultur aufgenommen, lernte mit einem Speer jagen und trug nur noch einen Lendenschurz, doch das Paradies war nicht von Dauer. Zu verlockend waren die Hölzer des Regenwaldes, zu viel Profit versprach die Rodung, der nur die Stämme der Penan im Wege standen.

Manser wurde zum Gesicht des Widerstandes, wurde von den Medien, die bald auf den Konflikt aufmerksam wurden, als „weißer Penan“ bezeichnet und auch von „seinem“ Stamm als Laki-Penan, als Penan-Mann bezeichnet. Nach Jahren des Kampfes vor Ort, als längst ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt war, floh Manser 1990 aus dem Land und gründete in der Schweiz eine Hilfsorganisation, die sich dem Kampf um die Rettung des Regenwaldes und damit dem Lebensraum der Penan widmete. Immer wieder kehrte Manser in den folgenden Jahren nach Malaysia zurück, zum letzten Mal 2000, obwohl er mit einem Einreiseverbot belegt war. Diese Reise sollte seine letzte sein: Manser verschwand spurlos, seine Leiche wurde nie gefunden.

Etliche Bücher sind in der Schweiz seitdem über Bruno Manser erschienen, zahlreiche Dokumentationen haben sein Leben und Wirken beschrieben. Nun also ein epischer Spielfilm, mit einem Budget von sechs Millionen Franken einer der teuersten Filme des Landes und mit 200.000 Zuschauer auch ein Erfolg.

Mansers Ziel sei es „denen eine Stimme geben, die keine haben“ heißt es an einer Stelle, ein Ziel, das Bruno Manser fraglos erreicht hat. Ohne seinen Einsatz hätten sich die Penan wohl nicht zusammengeschlossen, hätten ihre Stammesfehden nicht begraben, um gemeinsam gegen die Rodung ihres Lebensraums zu kämpfen. Nur mit geringem Erfolg zwar, aber immerhin.


Michael Meyns, programmkino.de